Dorfpost 2/2021

Was vom Turnen übrig bleibt

Die Frage danach, was von uns einmal bleiben und was in der Versenkung der Geschichte verschwinden wird, ist eine, die sich nicht ganz leicht beantworten lässt. Nichtsdestotrotz ist es manchmal nötig, sich mit dieser Frage zu beschäftigen. Nicht nur als Individuum, sondern auch als Verein. Je länger ein Verein besteht, desto grösser wird der Fundus, mit dem ein Umgang gefunden werden muss. In der 129-jährigen Vereinsgeschichte des STV Rupperswil hat sich deshalb einiges an Büchern, Dokumenten, Memorabilien, Trophäen, Urkunden, Zeitzeugnissen und Fotografien angesammelt.

Ein Grossteil des Bestandes wurde vor rund 25 Jahren das letzte Mal von Armin Käppeli fachmännisch geordnet und auf Vordermann gebracht. Seither hatte sich allerdings wieder einiges angesammelt, das nicht immer einer festen Ordnung folgte.

Aus diesem Grund rief unser Vereinspräsident eine kleine Aufräumaktion ins Leben, denen sich einige Mitglieder mit historischem Hintergrund und Interesse angeschlossen haben.

Die obersten Ziele waren hierbei die Sichtung, Dokumentation, Teilkatalogisierung, systematische Ordnung und schliesslich die Konservierung des Archivbestands für die Nachwelt.

Seit dem Dezember 2020 trafen sich die Mitglieder des Archiv-Efforts in regelmässigen Abständen am Samstagmorgen und nahmen die Arbeit Stück für Stück in Angriff.

Die Schwierigkeit, die sich hierbei immer wieder auftat, lag darin, dass in den Räumlichkeiten - neben dem historischen Archivbestand - auch Material für den Turnbetrieb und die Vereinsanlässe gelagert wird. Aus diesem Grund wurden einige günstige Anschaffungen in Form von Aufbewahrungs- und Planschränken getätigt, um Vermischungen zu verhindern.
Indes konnten wir in Veasna Thuy auch einen neuen Gesamtarchivar für das Projekt begeistern, der sich der Ordnung des restlichen Materials in den Räumlichkeiten annahm.

Neben der anspruchsvollen Entscheidung, was entsammelt und was konserviert werden sollte, konnten wir auch einige Schmuckstücke wiederentdecken, die einen grossen historischen und symbolischen Wert für den Verein haben.

Hierzu gehören sicherlich die akribisch geführten Protokolle und Jahresberichte der letzten 100 Jahre, die einen wunderbaren Einblick in den damaligen Zeitgeist geben.  Ein spannendes Beispiel aus den Akten findet sich hier im Jahr 1920. Man kämpfte mit ähnlichen Einschränkungen wie heute: vor 100 Jahren grassierte die Spanische Grippe und der Turnbetrieb musste deshalb für längere Zeit unterbrochen werden.

Ein weiteres Schmuckstück in der Sammlung ist eine Scherpe mit Turnkreuzen, die sich bis auf das Jahr 1893 zurückdatieren lassen. Die Scherpe war ein Geschenk von Max Hediger an die Damenriege, die erst im Jahre 1932 gegründet wurde. Den Dokumenten zufolge war der ehemalige Vereinspräsident Max Hediger ein Befürworter und Förderer des Damenturnsports. Aus diesem Grund vermuten wir im Geschenk einen Akt mit identitätsstiftender Absicht.

Um jedoch die genaueren Beweggründe in Erfahrung zu bringen, müssten die Unterlagen genauer geprüft werden. Und genau das haben wir vor. Der grobe Teil des Archiv-Efforts ist vorerst abgeschlossen. In einer zweiten Phase versuchen wir eine bessere Übersicht zu schaffen, die Ordnung zu verfeinern und einen gewissen Teil des Bestands genauer unter die Lupe zu nehmen. Interessante Funde versuchen wir schliesslich mit der Öffentlichkeit zu teilen. Man darf also gespannt auf die Ergebnisse bleiben.

Wir bedanken uns an dieser Stelle herzlich für die Mitarbeit aller bisher Beteiligten.

 Marc Ernst Friedli


Kreisturnverband Lenzburg